Versteckte Terroristen. Kulturhistorisches Museum zeigt Spielfilm über die Enttarnung von RAF-Mitgliedern

Als im Frühsommer 1990 in mehreren Städten der DDR ehemalige Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion (RAF) verhaftet wurden, war das Erstaunen in beiden deutschen Staaten groß. Nach einem Jahrzehnt intensiver Fahndung durch das Bundeskriminalamt waren sie an Orten aufgetaucht, wo niemand sie vermutete. Bereits 1979 hatten sie ihren Ausstieg aus der RAF erklärt und gelangten über Prag nach Ost-Berlin. Mit Hilfe des Ministeriums für Staatssicherheit wurden sie anschließend in der DDR regelrecht versteckt. Ausgestattet mit neuen Identitäten, Wohnungen und Arbeitsplätzen lebten sie in Magdeburg, Frankfurt/Oder, Schwedt, Neubrandenburg, Senftenberg und Berlin. Bis heute ist dieses Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte mit zahlreichen Mythen behaftet. Der Künstler Markus Draper hat das Thema in seiner Installation „Inge zu Fuß zur Arbeit“ aufgegriffen, die derzeit vom Kulturhistorischen Museum im Kaisertrutz gezeigt wird. Die ehemaligen Wohnhäuser der RAF-Aussteiger in Plattenbaugebieten der DDR hat Draper als Plastiken nachgestaltet, die alltägliche Orte der deutsch-deutschen Geschichte repräsentieren.
Begleitend zur Ausstellung zeigt das Kulturhistorische Museum am Dienstag, dem 27. Oktober 2015, um 17:00 Uhr im Barockhaus Neißstraße 30 den Film „Vater, Mutter, Mörderkind“. Er entstand 1992 unter der Regie von Heiner Carow nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf. Der selten gezeigte Film kann mit Unterstützung des ZDF einmalig präsentiert werden. Er schildert die Enttarnung und Verhaftung eines RAF-Aussteigers 1990 in Schwedt. Als Anregung diente dabei die Biografie des ehemaligen RAF-Mitglieds Ralf Baptist Friedrich, der ein Jahrzehnt in Schwedt gewohnt und gearbeitet hatte.
Der Regisseur Heiner Carow und der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf, auf deren Zusammenarbeit auch der Film „Die Legende von Paul und Paula“ zurückgeht, gehören zu den bedeutendsten Autoren des DDR-Kinos. Auch mit „Vater, Mutter, Mörderkind“ gelang ihnen ein Meisterstück, das leider in Vergessenheit geraten ist. Der Film bündelt mehrere Erzählunstränge und zeigt, wie an der Enttarnung und Verhaftung des Vaters eine Familie zu zerbrechen droht, wie in den Wendejahren die Ideale der ehemaligen DDR zerfielen und wie sehr die Zeit des Nationalsozialismus zu Beginn der 1990er Jahre noch nachwirkte. Gedreht an Originalschauplätzen ist der Film gleichzeitig ein einzigartiges Dokument über den Osten Deutschlands zu Beginn der 1990er Jahre. Vor dem Film gibt Kai Wenzel, Kurator am Kulturhistorischen Museum, eine kurze Einführung über die Hintergründe. Dabei werden auch Auszüge aus einem Interview vorgetragen, dass im Rahmen des Projekts „Inge zu Fuß zur Arbeit“ mit dem ehemaligen RAF-Mitglied Ralf Baptist Friedrich über sein Leben in Schwedt während der 1980er Jahre geführt wurde.

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